Das Atmen der Berge


Am Anfang war da noch Licht.
Der Weg zog sich über die Hänge, über uns blauer Himmel, zwischen den Bergen Wolkenfetzen, die fast harmlos wirkten. Noch war die Landschaft weit und offen.

Doch in den Bergen kann sich alles innerhalb weniger Minuten verändern.
Der Nebel kam näher. Erst lag er nur zwischen den Gipfeln, dann kroch er über die Hänge und schob sich immer weiter in unsere Richtung. Konturen verschwanden. Farben wurden leiser. Aus Weite wurde Nähe.
Und irgendwann waren wir mittendrin.

Der Nebel war so dicht, dass sich feinste Wassertropfen in den Haaren sammelten – bis hinauf in die kleinsten Flaumhärchen. Die Luft war kühl und feucht, jeder Atemzug fühlte sich unmittelbarer an. Man sah weniger, aber irgendwie spürte man mehr.
Die Berge lagen plötzlich nicht mehr einfach vor uns.
Man trug sie auf der Haut.

Der Nebel strich über die Hänge, legte sich auf Fels, Gras und Wege und nahm der Landschaft Stück für Stück ihre Konturen. Aus einem weiten Panorama wurde eine kleine Welt aus Grau, Grün und Bewegung.
Und genau darin lag etwas Faszinierendes.
Dieses Gefühl, der Natur für einen Moment wirklich ausgeliefert zu sein. Nicht bedrohlich – eher ehrlich. Man bestimmt hier nichts. Nicht das Licht. Nicht die Sicht. Nicht den Wind. Nicht, wann sich ein Gipfel zeigt oder wieder verschwindet.

Man kann nur weitergehen, stehen bleiben, schauen und wahrnehmen.

Für wenige Augenblicke öffnete sich die Landschaft wieder. Dann schloss sie sich erneut.
Eine Hütte tauchte am Hang auf, nur noch als dunkle Silhouette. Dahinter nichts als Nebel.
Und vielleicht war es genau das, was sich an diesem Nachmittag so deutlich anfühlte:

Die Berge atmen.
Sie öffnen sich.
Sie ziehen sich zurück.

Sie zeigen etwas von sich – und nehmen es im nächsten Moment wieder fort.

Und irgendwo dazwischen steht man selbst.

Klein. Nass. Wach.
Und sehr lebendig.

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